faltboottourmosel

Unsere 1. Faltboot-Wanderfahrt / Mosel 2004
Bericht von Astrid Günther aus Faltboot-Jahrbuch 2005/2006, Infos:
www.faltenreich.de


Ich bin ja erst seit kurzem vom Faltboot-Virus befallen und überhaupt noch ein ziemlicher Anfänger, was das Paddeln betrifft. Und hätte Andreas nicht vor zwei Jahren zwei Boote mit an den Schweriner See genommen, wüßte ich wahrscheinlich bis heute nicht, was mir entgeht, wenn ich nicht im eigenen Boot und von eigener Kraft angetrieben durch Flüsse und Seen gleite.
Nun, diesen Sommer sagten wir uns, daß Plantschseetouren zum Biggesee, Baldeneysee oder den Maas-Seen ja gut und schön sind, daß es auch durchaus seine Vorteile hat, im Urlaub ein festes Standquartier zu haben und von dort aus Tagestouren zu unternehmen, daß wir aber mal eine "richtige" Flußwanderfahrt machen wollen. Peters Bericht und Fotos, die er ins Faltbootforum gestellt hatte, überzeugten uns dann, daß es an die Mosel gehen sollte. Wir wollten eine Nacht auf dem Campingplatz in Bullay verbringen und das Auto dort auf dem Parkplatz stehenlassen, dann 3 Tage paddeln und dann sollte einer von uns schon mal die Boote abbauen und der andere das Auto holen.
Während wir Zelt und Boote aufbauten ( bei Spant 3 und 4, die wie immer nicht so wollten wie ich, stieß ich die üblichen Flüche aus ) gesellte sich ein älterer Herr zu uns und erzählte, er habe selbst mal einen Klepper Aerius besessen. Es passiert öfters, daß die Leute ganz fasziniert sind, wenn sie ein Faltboot sehen. Später lief derselbe ältere Herr mit einer Videokamera über den Platz und schwenkte auch mal zu uns rüber.
Ein Blick auf die Uhr zeigte uns, daß es bereits früher Abend war und es sich nicht mehr wirklich lohnte, die Boote zu bepacken und zu Wasser zu lassen. Deswegen beschlossen wir, uns einen gemütlichen Abend zu machen und am nächsten Tag zu starten.
Nun, aus einem frühen Start wurde nichts, denn wir hatten beide noch nie ein Boot wanderfahrtsmäßig bepackt und wir mußten ein paarmal ein-, aus- und umpacken, ehe wir alle Sachen untergekriegt hatten. Einige wenige nicht unbedingt lebensnotwendige Dinge blieben letztendlich auch im Auto.
Endlich waren wir auf dem Wasser! Und der Himmel belohnte uns mit strahlendem Sonnenschein. Reinstes Genußpaddeln also.
Schon nach kurzer Zeit tauchte die erste Schleuse vor uns auf. Da wir auf Anhieb nicht erkennen konnten, wo eigentlich die Sportbootschleuse war, pirschten wir uns vorsichtig an sie heran. Plötzlich sahen wir ein motorisiertes Schlauchboot an uns vorbeifahren. "Ihm nach!" riefen wir, legten einen Zahn zu und gaben dem Schlauchbootkapitän wild gestikulierend zu verstehen, daß er warten sollte. In der Schleuse hörte ich dann: "Na sowas, der Herr Fechner!" Bei dem Schlauchbootbesitzer handelte es sich um einen Arbeitskollegen von Andreas.
Gegen Abend beschlossen wir, nach einem Campingplatz mit eingermaßen vernünftiger Anlegestelle Ausschau zu halten, aber die waren in dieser Gegend Mangelware. Oft waren die Ufer zu steinig, um dort mit einem Faltboot anzulanden. Am Campingplatz in Mesenich ging es einigermaßen, abgesehen davon, daß wir die Boote eine steile Böschung hochtragen mußten. Aber da wir nicht sicher waren, ob der nächste Campingplatz besser sein würde, wir außerdem allmählich Hunger hatten, beschlossen wir, hier zu bleiben. Der uns zugewiesene Stellplatz war noch ein Stück entfernt. Mit Boote dorthin karren, Sachen dorthin tragen, Zelt aufbauen... verging die Zeit. Danach machten wir uns auf den Weg ins Dorf, um in einem der im Kanu-Wanderführer beschriebenen netten Weinlokale, die es in allen Moselorten geben soll, etwas zu essen. Nur werden in diesem Ort anscheinend Punkt neun Uhr abends alle Bürgersteige hochgeklappt, und wir waren wenige Minuten zu spät. So gab es in der von uns angesteuerten Straußwirtschaft nur noch Strammen Max. Na gut, der Hunger treibt's rein.
Ich fühlte mich, als hätte ich wer weiß was getan, obwohl wir nur 15 km gepaddelt waren. Bei dem Schwarzer Treffen war ich fast 25 km am Tag gepaddelt und das hatte mich nicht mehr angestrengt als die Tour heute. Woran lag das? Ich kam zu dem Schluß, daß das Anstrengste wahrscheinlich gar nicht mal die Paddelei, sondern die Schlepperei gewesen war und daß es außerdem einen Unterschied macht, ob man ein vollbeladenes Boot oder eines, in das man gerade mal etwas Tagesproviat geworfen hat, paddelt.
Der nächste Paddeltag. Wir genossen das Dahingleiten bei strahlendem Sonnenschein und die vorüberziehende Landschaft. Wir schossen auch einige Fotos.
In  Beilstein landeten wir, wieder mal umringt von einem Kreis Zuschauer, an und holten uns aus einer Imbißbude Currywurst mit Pommes. Wir vertilgten unser Junkfood auf der Wiese neben den Booten und wollten dann eigentlich wieder starten, aber ein drohendes Donnergrollen hielt uns davon ab. Wir stellten uns unter und kamen dann auf die Idee, daß man während dieser Zwangspause eigentlich noch irgendwo einen Kaffee trinken gehen könnte. Leider konnte man der Bedienung im Gehen die Schuhe besohlen. Die Sonne kam wieder raus, unten zogen auf der Mosel zwei Paddler vorbei ( davon sogar einer im Faltboot, einem RZ, soweit man das auf die Entfernung erkennen konnte ) und wir bedauerten nun, den Kaffee bestellt zu haben, aber zu spät.
Es folgte wieder einige Zeit Genußpaddeln bei Sonnenschein.
Wir kamen an die nächste Schleuse. Wir landeten am Steg an, um uns die Angelegenheit erstmal zu betrachten. An der Bootsrutsche stand "außer Betrieb". Beim Betrachten derselben stellte ich jedoch fest, daß ich da auch nicht raufgegangen wäre, wenn sie noch in Betrieb wäre. Ich habe schließlich keine Lust, mein Boot kaputtzumachen und mich selbst noch dazu.
Nach einer Weile erschein ein freundlicher Schleusenwärter, führte uns zur Sportbootschleuse und erklärte uns, wie sie funktioniert. Er meinte, er hätte uns gerne geschleust, aber leider hätte er da zwei große Schiffe, um die er sich kümmern müßte. Aber noch bevor wir ausdiskutiert hatten, wer nun schleust und wer die Boote manövriert, erschien er wieder und meinte, er könnte uns doch schleusen. Auf die Frage, wo denn die ganzen Paddler seien, wir hätten uns gewundert, kaum welche zu sehen, erwiderte er, es sei noch nicht die Saison. Hm, bisher hielt ich mich ja für das absolute Weichei im Gegensatz zu den übrigen Forumsbewohnern, die abgehärtet genug sind, um auch bei Minusgraden zu zelten.
Campingplätze kamen in Sicht, aber wir wollten noch nicht aufhören mit Paddeln. Kurz vor Cochem überraschte uns eine Art zweite Sintflut, aber nun gab es kein Zurück, wir mußten die letzten Meter noch paddeln. Die Leute in dem Hotelschiff, an dem wir vorbeipaddelten, hielten uns anscheinend für nicht ganz dicht, bei dem Wetter auf dem Wasser zu sein.
In der Campingplatzklause sagte jemand, als wir die Boote vorbeikarrten: "Jetzt regnet es so stark, daß sie hier sogar mit Booten vorbeilaufen."
Ich war trotz Aquashell-Hose klitschnaß und konnte einfach nicht warten, mich umzuziehen, bis das Zelt steht. Daher verschwand ich mit meinem kompletten Gepäck im Waschraum. Im Zelt war es dann jedoch bei einer Flasche Wein ganz gemütlich, dem aufs Dach trommelnden Regen zuzuhören.
Am nächsten Tag schien die Sonne wieder. Wir entschieden uns, die Sachen erstmal trocknen zu lassen und uns Cochem anzusehen. Ein hübsches Städtchen und die Fahrt mit der Seilbahn zu einem Aussichtpunkt gefiel uns auch ( ich kenne Sessellifte ja aus dem Skiurlaub, aber für Andreas war es eine völlig neue Erfahrung ), jedoch stellten wir fest, daß es uns doch besser gefiel, auf dem Wasser zu sein, als in so einer Menge Touristen, die sich durch die engen Gassen drängten.
So freuten wir uns, am nächsten Tag wieder weiterzupaddeln, obwohl ein erneutes Gewitter den Start verzögerte. Die Landschaft war wirklich einmalig schön und hinter jeder der vielen Kurven gab es etwas Neues zu sehen. Teilweise waren wir völlig allein auf dem Wasser, nun, nicht ganz, denn ein paar Wasservögel waren noch da. Diesmal bekamen wir sogar eine komplette Schwanenfamilie vor die Kamera, mit Teleobjektiv, denn zu nahe heranpaddeln wollten wir auch nicht, um die Tiere nicht zu erschrecken.
Ich wollte neben Andreas her paddeln, aber kaum war ich etwas näher an ihn herangekommen, hatte der Kerl schon wieder die Seite gewechselt. Kein Verlaß mehr auf die Männer heutzutage.
Das nächste Gewitter zwang uns, die Tour früher als geplant, abzubrechen, was wir sehr bedauerten, aber wir sind sicher, daß wir wiederkommen werden und auch noch die Abschitte der Mosel paddeln, die wir diesmal nicht gesehen haben.

 

 

 

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